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Schirmer
Jochen Schirmer
Kunstmaler


Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Fischerei heute





EU – Fangquoten 2020, das „AUS“ für die Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern.


von Kapitän Günther Kröger - 21.11.2019

Meine ehemaligen Kollegen aus der Kutter- und Küstenfischerei sind bestürzt über die endgültige Fangquotenfestlegung in der Ostsee für das Jahr 2020. Obwohl sie es kommen sahen, haben sie doch nicht daran geglaubt.
Kapitän Norbert Kahlfuss aus Sassnitz schrieb mir:
„Hatten wir im Jahr 2015 in der westlichen Ostsee, unserem Hauptfanggebiet, noch eine Gesamtfangmenge Hering von ca. 22.200 t, davon Deutschland etwa 12.260 t und MV davon 5.300 t, so sollen es 2020 nur noch:
Hering gesamt 3.150t sein. Das heißt, ca. 14% von der Gesamtfangmenge. Den Rest kannst Du Dir ausrechnen.
Beim Dorsch in der westlichen Ostsee sieht es auch nicht besser aus. Da war es 2015 eine Gesamtmenge von
15.900 t, davon Deutschland ca. 3.400 t und MV 550 t. Im Jahr 2020 sind es gesamt 3.800 t, davon Deutschland ca. 800 t und MV 130 t. Die östliche Ostsee wurde bereits 2019 ab Juli für den Dorschfang gesperrt, für den Westteil gab es auch Einschränkungen, die aber MV nicht berührten.
2020 sind im Osten (östlich 15°E) nur noch Beifänge erlaubt. (Gesamtmenge 2000 t, für uns aber nicht von Bedeutung. Auch die Vermarktung bricht zusammen. Welche Fischfabrik, welcher Großhändler sammelt von den vielen Anlandestellen noch die geringen Mengen ein?“

Es wird so kommen - nun steht fest, die meisten großen Kutterbesatzungen werden das Jahr 2020 nicht überleben. Sie können mit diesen begrenzten Fangmöglichkeiten nicht die Unkosten für das Fangschiff und die Besatzung begleichen und stehen vor dem Aufgeben. Kleinere Kutterfamilien finden vielleicht noch eine Möglichkeit diese Situation durch eventuelle Finanzhilfen der EU und der Länder ( Ausgleichzahlungen bei hohem bürokratischen Aufwand) zu überbrücken, doch für die meisten Fischer (es sind rund 237 Fischer in Meck-Pomm betroffen) der Ostsee bedeuten sie das Ende ihrer Berufstätigkeit und der Verkörperung eines besonderen Berufes in der Küstenregion. Die gesamte Struktur bricht zusammen. Gehörte doch die Küstenfischerei zu den Häfen und gaben diesen Orten ein besonderes Gepräge. Die vielen Touristen werden vergebens diese romantischen kleinen Schiffe bewundern können und vergebens den oft begehrten frischen Fisch auf den Kuttern suchen. Es ist ein Trauerspiel. Eine Umstrukturierung wird in Mecklenburg-Vorpommern kaum gelingen.
Was nun, fragen sich meine ehemaligen Kollegen? Mit den Touristen angeln fahren, wird wohl auch nichts mehr werden, denn mit den erlaubten niedrigen Stückzahlen, die sie fangen dürfen, lohnt sich keine Angeltour. Und Touristen längst der Küste schippern geht auch nicht, da gibt es genug komfortable Touristenschiffe. Was also tun. Für meine älteren Kollegen wird es schwer, sie werden wohl zu Hause bleiben müssen und die eigentlichen jüngeren Nachwuchsfischer suchen sich wohl an Land eine Arbeit, wenn es möglich ist. Diese Miserere setzt sich ja auch in der Verarbeitungsindustrie fort. Dort sieht es nicht viel anders aus. Auch sie werden drastisch reduzieren, Entlassungen des Fachpersonals werden zwangsläufig folgen. Die Auswirkungen des Brexit bereiten den Hochseefischern in Deutschland und den Verarbeitungsbetrieben Existenzängste.
Es ist verständlich, dass die Fischer die angegebenen Ursachen dieser drastisch gekürzten Fangquoten sehr kritisch sehen. Viele der wissenschaftlichen Untersuchungen lassen viele Fragen offen. Die Umweltschützer
haben Erfolg mit ihren Forderungen. Die Buhmänner sind die Fischer und dazu kommt der Klimawandel, der alles durcheinander wirbelt und dem zu verändern alles andere auf der Strecke bleiben lässt. Stürme, Unwetter schwören sie herauf, es werden durch den Klimawandel immer mehr. Dabei dürften die Stürme in der Ostsee nur Vorteile für das Leben der Fische und Meerestiere bringen. Es müsste eigentlich mehr kaltes, salzhaltiges Wasser durch den Belt und Sund in die Ostsee strömen. Die Durchwirbelung des Ostseewasser fördert das Leben der kleinsten Nahrungstiere der Fische und stabilisiert die Wassertemperaturen, die von Fischen bevorzugt werden. Aber diese alten Weisheiten stimmen wohl alle nicht mehr.
Gerne möchte ich wissen, wie die Dänen und Schweden mit dieser Situation umgehen. Gelesen habe ich, dass der dänische Fischereiminister in Brüssel vorsprechen will und für seine Fischer eine höhere Fangquoten erwirken möchte. Ich hoffe noch weitere Informationen zu erhalten.

Nun kommt es auf das Verhalten der Länderregierungen und der Bundesregierung an. Eine greifende Unterstützung sollte schnellsten auf den Weg gebracht werden. Die Fischer, ihre Familien sollten wissen ob und wie ihnen geholfen wird. Sie müssen ihr weiteres Leben planen können.
Von der EU sollte tatsächlich ein Aktionsplan geschaffen werden. Unter Beachtung des wissenschaftlich betrachteten Zustandes der Fischarten in der Ostsee muss man den Fischern sagen, wie die Aussichten der kommenden Jahre sich gestalten.
Ich kann mir nur wünschen, dass die Küstenfischerei der Ostsee erhalten bleibt.



Aalfang wird vermutlich in der Ostsee verboten werden.


Von Günther Kröger - 15.10.2017

Aus der Fachzeitschrift Fischeri & Fischmarkt 3/2017 geht hervor, dass der Aalfang in der Ostsee verboten werden soll. Die Entscheidung wurde am 10.10.2017 vertagt.
Bei vielen meiner Kollegen und Bekannten ist der Aal sehr beliebt und rangiert auf deren Speisenkarte mit an oberster Stelle. So ein geräucherter Aal, und wenn er dann noch am Alten Strom in Warnemünde gekauft wurde, gut geräucher, ist immer ein kulinarischer Genuss. Dies ist aber nicht nur in Warnemünde so, auch in vielen anderen Orten unseres Landes wird der Räucheraal vor allen anderen Arten geräuchert bevorzugt. Ich ziehe ja lieber einen geräucherten Heilbutt vor, aber das soll eigentlich nicht so bedeutsam sein.
Der Aal ist also sehr beliebt bei den Menschen und er wird gut bezahlt. Viele Gaststätten und Hotels, besonders an der Küste, machen mit den Aalgerichten richtig gutes Geld. Der Aal ist hier überhaupt nicht wegzudenken, dies wissen vor allem die Touristen.
Besonders in der Kutter- und Küstenfischerei wurde mit dem Aalfang der Erlös bedeutend gesteigert.
Nun sollen wir aber auf den Aal verzichten. Die Berufs- und Freizeitfischer sollen den Aalfang einstellen, so der Kommissionsvorschlag. Auf Grund der Proteste wurde erstmal die Entscheidung vertagt.
Was ist nun mit dem Aal? Wurde er zu stark befischt? Gab es keine Managementpläne für die Bewirtschaftung, keine Schutzmaßnahmen für den Aalbestand? Gibt es wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse und was sagen diese aus?
Bekannt ist mir, dass umfangreiche Besatzmaßnahmen realisiert wurden. Alle diesbezüglichen Fördermittel, Erlöse aus der ins Leben gerufenen Aalaktie, aus dem Finanzvolumen der Verbände und Einnahmen aus den Pachtverträgen wurden dem Aalbesatz zugeführt. Bekannt ist uns ja allen, dass der Aal Zeit braucht zum Heranwachsen, bevor wir ihn verspeisen können und er vielen Strapazen durch den langen Weg ins Laichgebiet ausgesetzt ist.
Schon deshalb muss man sich die Durchgängigkeit der Fließgewässer ansehen und weiterhin die illegalen Glasaalfänge vor den europäischen Küsten unterbinden.
Vor Augen halten sollte man sich ebenfalls, das in den Küstengebieten von Mecklenburg-Vorpommern der Fischereidruck, also die Aalentnahme bedeutend abgenommen hat. Durch das Sterben von vielen kleinen Fischereibetrieben erfolgten hier weniger Fischereiaktivitäten. Die Aktivitäten von 2014-2016 nahmen gegenüber 2004-206 um 37% ab. (Fischereikapazität im Haupterwerb, lt. Axel Pipping in Fischerei & Fischmarkt 3/2017) Und es gibt Managementpläne, deren Ziele dem Schutz des Aales dienen. Sie müssen weiterhin umgesetzt, ja sogar ergänzt werden.
Einzig und allein die Kormorane mit ihren Freßaktivitäten bleiben ungeschoren. Die haben Narrenfreiheit, immer noch.
Ich denke mit dem Verschieben der Entscheidung zum generellen Aalverbot wird sich die Kommission und werden sich die Wissenschaftler noch einmal intensiv mit dem FÜR und Wider befassen und zu einer vernünftigen, grundierten Entscheidung kommen.


Ostseequoten 2107

EU-Gesamtfang Deutsche Quote Änderung
2016/2017
2017 2018
Hering westl. Ostsee
(Gebiete 22-24)
28.401 t 15.670 t 14.496 t + 8 %
Hering mittl. Ostsee
Gebiete 25-27, 28,2 29 und 32
191.129 t 1.115 t 1.035 t + 8 %
Dorsch westl. Ostsee
Gebiete 22-24
5.597 t 1.194 t 2.715 t - 56 %
Dorsch östl. Ostsee
Gebiete 25-32
30.857 t 2.820 t 3.760 t - 25 %
Scholle 7.862 t 626 t 321 t + 95 %
Sprotte 260.993 t 16.310 t 12.644 t + 29 %
Lachs
Gebiete 22-31
(Stückzahl)
95.928 2.212 2.212 +/- 0 %


Daraus leiten sich für die EO in M-V folgende Quotenanteile ab:



M_V
2016
M-V
2017
Differenz
Hering westl. Ostsee 6.256 t 6.756 t + 8 %
Dorsch westl.Ostsee 664,4 t 292,2 t - 56 %
Dorsch östl. Ostsee 343,9 t 264,8 t - 25 %


 

Quoten 2017

Deutsche- und EU Quoten 2017 - Nordseebestände und Makrele

BestandDeutsche
Quote
EU-QuoteVeränderungen
2016/2017

Hering51.066 t288.765 t-7 %
Scholle 7.067 t122.494 t0 %
Seelachs10.447 t47.888 t+53 %
Kabeljau4.222 t32.553 t+17 %
Schellfisch1.225 t26.405 t-45 %
Makrele25.928 t407.517 t+14 %
Aus dem Fischerblatt 12/2016

Entsprechend der Pressemitteilung des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer e.V. vom 14.12.2016 ist die deutsche Fischerei mit den von den Fischereiministern (EU) beschlossene Quote 2017 zufrieden. Die Gesamtfangmengen 2017 (TAC) gehen aus der obigen Tabelle hervor. Die nachhaltige Bewirtschaftung führte zur Erhöhung der Quote bei einigen Fischarten. Bei Nordsee-Hering und Schellfisch wurden die Entnahmen auf Grund wissenschaftlicher Empfehlungen reduziert. Diese Maßnahme gehört zur Realität bei natürlich fluktuierenden Beständen.
Erfolge haben sich durch das Bemühen der letzten Jahre um eine nachhaltige Fischerei eingestellt. Dies zeigt die Entwicklung der Scholle. Dieser Weg wird fortgesetzt, die Entnahme wird auch weiterhin nicht erhöht. Auch beim Nordsee-Kabeljau ist eine positive Entwicklung eingetreten. Zufrieden war man mit der Entwicklung des Seelachses in diesem Gebiet. Durch die Nachhaltigkeitszertifizierung und die nachhaltige Fischerei konnte die Quote bedeutend erhöht werden. Auch die Entwicklung des Makrelenbestandes ist erfreulich. Die Quote konnte um 14 % erhöht werden.
Bei der Quotenfestlegung werden die Verhandlungsergebnisse mit Norwegen berücksichtigt und Fangmengen für andere Bestände festgelegt, die nicht mit Norwegen gemeinsam bewirtschaftet werden.
Der Bundesminister für Fischerei erklärte: .....“Deshalb gilt es jetzt, unserer gemeinsames Ziel, spätestens 2020 alle Bestände nachhaltig zu bewirtschaften, fest im Blick zu behalten. Diese Politik ist der beste Garant für eine positive Zukunftsperspektive unserer Fischerei. In der Fischereipolitik bleiben wir auf Nachhaltigkeitskurs.“








Letztes Update: 19.08.2021, 10:06 Uhr
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