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Schirmer
Jochen Schirmer
Kunstmaler


Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Vom Kutter- zum Bordfest

Oder: vom Harz an die Unstrut

Erzählt von Volker Mitschke

Der Harz ist immer eine Reise wert. Nicht nur weil ich dort aufgewachsen bin, sondern diesmal hatte mein Besuch im Harz einen besonderen Grund.

Fredo Fietz hatte zum Kutterfest in seiner Gaststätte „Zur Unterklippe“ nach Friedrichs­brunn geladen. Na gut, was ist schon ein Kutterfest im Gebirge?

Jedoch, Erich Fitzel, ein ehemaliger Hochseefischer und ausgezeichneter Kollege aus Bad Suderode, sprach in der Vergangenheit so begeistert eben von diesem Fest, so dass es kein Überlegen gab. Und, neugierig waren die Seeleute ja schon immer. Sowieso auf dem Wege an die Unstrut nach Nebra, zum Bordfest der „Elvira Eisenschneider“, liegt es doch nahe dort mal vorbei zu schauen.

Also, wenn das Fest genauso wird wie der Empfang in der „Unterklippe“, dann wird die Reise nicht umsonst gewesen sein. Speise- und Getränkekarte sowie die Stimmung wie gewünscht. Erwähnenswert die maritime Ecke und hier ein Tisch mit eingelassenem Kompass mit anschließendem Stern aus kleinen Messingschildchen auf dem jeder Seemann mit Name, Rang und Beschäftigungsort verewigt ist welcher irgendwann seine müden Beine unter diesen Tisch gesteckt hat.

Doch davon wollte ich nicht hauptsächlich berichten.

Der erste Abend war unserem ehemaligem Fangdirektor Kpt. Günther Kröger für eine Buchlesung vorbehalten. Leider musste er absagen. Fredo Fietz hatte frühere Video’s über eine Reise von Reportern auf der ROS 206 „Guben“ und einen tollen Film, gesprochen von Kpt. Heinz Adler, als Äquivalent vorbereitet.

Übrigens, respektabel wie Fredo einen roten Faden durch die gesamten zwei Tage der Veranstaltung zog.

Kpt. Horst Seffner sprach nach diesen Videos über ein uns allen Hochseefischern interessierendes Thema. Die Aufrechterhaltung unserer Traditionen, besser, der Wieder­aufbau einer Präsentation unseres Lebens, unserer Arbeit auf See und an Land. Ergo, die Geschichte der Hochseefischerei der DDR.

Ausgefüllt der zweite Tag. Fredo hatte am Vormittag einen Besuch in einer „Schnapsbrennerei“ organisiert. Der Nachmittag wurde begonnen mit einer Harzer Bläsergruppe. Der Shantychor Halberstadt e.V. stellte einen Teil seines maritimen Liedgutes, unter anderem „Unser Kurs geht nach Norden in die Barentssee“, vor. Extra für diesen Tag in’s Repertoire genommen. Tanzgruppen gaben ihr Bestes. Mögen diejenigen mir verzeihen welche ich möglicherweise vergessen habe, denn......

......faszinierend für mich waren die Erlebnisse in meiner unmittelbaren Nähe. Hier war ein Kapitän aus Hannover gekommen, welcher 1957 – 1960 in Rostock zum Hochseefischer ausgebildet wurde, jedoch später einen anderen Weg in der Seefahrt genommen hatte. Ein anderer packte einen Ordner mit Bildern aus seinem Betrieb, dem Fischfang Rostock, aus und präsentierte ihn stolz. Ich erkannte einen Koch wieder, mit dem ich auf der „Karl-Marx-Stadt“ 1961 zusammen gefahren bin. Hans-Joachim Steinkrug von der „Heinz Priess“ saß mit seiner Gattin neben mir. Kpt. Walter Schulz mit Frau waren dabei. Die Stützpunktleiterin von Magdeburg begrüßte die Leiterin der ehemaligen Poststelle. Vor und hinter unserem Tisch erzählten Seeleute Episoden aus der Fischerei. Erstaunlich zu hören, in Halberstadt und Wernigerode existieren Marine­kamerad­schaften, denen auch ehemalige Angehörige der Hochseefischerei angehören.

Hier erinnerte ich mich und verstand die Frage die eine „Seezunge“ im Gästebuch von Wilfried Gilles HomePage stellte. Kurz: was ist es denn, was den Seemann trotz Entbehrungen und teilweise außerordentlich schwierigen Bedingungen auf See von seinem Beruf so, ja, ich sage mal, schwärmen lässt.

Der Tag klang ganz langsam aus mit Heilbutt aus dem eigenen Räucherofen, Bratwurst, Steak, und Getränken, und, und...

Rückblick: der Harz ist im Allgemeinen eine Reise wert, im Besonderen Friedrichsbrunn mit der „Unterklippe“ und dem Kutterfest.

Hier an dieser Stelle Herzlichen Dank an meinen ehemaligen Kollegen, Erich Fitzel mit seiner Gattin für seine unendliche Harzer Gastfreundschaft, welche nicht überall selbstverständlich ist. Schön war es auch in ihrem Haus, als Erich seine „Seekiste“ öffnete und wir mit Bilder aus unserer gemeinsamen Fahrtzeit in Erinnerungen geschwebt haben.

Irgendwann naht immer ein Abschied. Doch vor uns lag ein weiterer Höhepunkt, das Treffen der Besatzung der ROS 404 „Elvira Eisenschneider“ an der Unstrut in Nebra.

Es ist seit vielen Jahren eine schöne Tradition dieser Besatzung jedes Jahr sich zusammen zu finden. Der Leser wird fragen, warum denn unbedingt in Nebra? Ja, hier hat man sich schon öfter getroffen und man fand die dortige Jugendherberge für solche Veranstaltungen wie geschaffen. Und, in der Nähe ist der Organisator Frank Pudelko zu Hause. Bestmann „Pudel“ mit Frau waren dann auch diesmal die perfektesten Organisatoren. Großen Dank dafür.

Zusätzlich bemerkt, auch die Treffen in den vergangenen Jahren an der Müritz waren tadellos vom I.NO mit Frau in Szene gesetzt.

Dem Trend eines Navi’s im Auto noch nicht gefolgt, musste ich mich mit der Karte begnügen. Die letzten 10 km konnte ich mich nicht verfahren, denn der Duft des Räucherofens mit Aal, Lachs und Heilbutt wies mir den Weg. Und richtig, Harry Altenburg war dabei für die Jung’s und dessen Gattinnen zu sorgen.

Ein Teil der Besatzung war schon anwesend, der Rest der zum Treffen zugesagt hatte, sollte am nächsten Tag kommen.

Der anwesende Teil hatte die Zeit genutzt um die Umgebung kennen zu lernen, bzw. Kenntnisse über Weimar, Jena, Naumburg, Freyburg, etc., wieder aufzufrischen.

Alle Ankömmlinge wurden herzlichst begrüßt, die Frauen kannten sich über Jahre und hatten Verständnis wenn ihre Männer sich mal absonderten und anfingen zu „fischen“.

Für mich und meine Frau waren die zwei Tage in Nebra wieder mal ein Erlebnis. Und wenn man sieht aus welchen Entfernungen die ehemaligen Besatzungsmitglieder gekommen waren, dann ist es doch nicht fremd , wenn man fragt, was ist es denn nun, was den Beruf des Hochseefischers so anziehend gemacht hat.

Aus Ungarn, dem Erzgebirge, von der Müritz, aus Rostock, Güstrow, Potsdam und Schwerin hatten die Jung’s wie eh und je den Weg gefunden.

„Gebt uns ein Schiff und wir fahren los“. Na gut, mit der Seediensttauglichkeit, wie es heute heißt, wird es bei einigen hapern, gleichwohl, bei Museumsschiffen gibt es ja auch besondere Abnahmebedingungen.

Wir haben viel gelacht, das Unangenehme der Seefahrt war ausgeklammert. Wir hatten schöne Tage. Für Unterhaltung, Essen und Trinken war immer gesorgt. Besonderheiten wurden mitgebracht und waren am Tisch gefragt, z.B. „Wurscht“ aus dem Erzgebirge, um nur ein Beispiel zu nennen.

Sollten wir gesund bleiben, dann trifft sich die Besatzung der „Elvi“, wie wir Insider sagten, an gleicher Stelle zu gleicher Zeit wieder. Es ist schon ein Erlebnis.

Es gäbe noch viel zu berichten, der Leser wird irgendwann ob der Fülle des Inhaltes müde, denke ich.

Jedem soll gesagt sein, es ist richtig, wenn Günther Kröger folgenden Titel eines seiner Bücher gewählt hat, „Hochseefischer, Menschen ganz besonderer Art.“


Hochseefischer-Nachrichten - Kapitän Horst Seffner

Letztes Update: 01.01.1970, 01:00 Uhr
Günther Kröger - 2008