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Schirmer
Jochen Schirmer
Kunstmaler


Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Besatzungsaustausch in Luanda (Angola) 1984


Von Kapitän Rudolf Speer

Eigentlich war das Anlaufen eines ausländischen Hafens zwecks Besatzungsaustausch nichts Besonderes. Es war zur Gewohnheit geworden.

Doch dieser Anlauf Anfang August 1984 war etwas Besonderes.

Wir hörten schon auf See über verschiedene Nachrichtenquellen, dass auf ein Schiff der DSR ein Bombenanschlag verübt wurde und wussten auch, dass dieses Schiff um es vor einem Versinken im Hafen zu retten, auf eine Sandbank gesetzt wurde. Wir liefen also wie gewohnt ein in Luanda und bekamen wie auch sonst gewohnt über den Lotsen einen Liegeplatz zugewiesen.

Dass wir an einen sowjetischen Frachter längsseits festmachen sollten, war auch nichts Außergewöhnliches und kam auf Grund von Platzproblemen des Öfteren vor. Stutzig wurden wir erst, als wir längsseits lagen und vor unserem Zweierpäckchen und auch hinten jeweils ein sowjetisches Fabrikschiff mit dem Heck zur Pier festmachten. Als wir dann auf dem sowjetischen Frachter neben uns auch noch uniformierte Gestalten sahen, ahnten wir nichts Gutes.

Die „Arendsee“ lag übrigens ca. 0,3 sm auf der anderen Seite des Hafens in Sichtweite.

Der sowjetische Frachter wurde gelöscht, große Holzkisten und Militär-LKW's. Langsam sprach sich durch, dass der Frachter Militärgut geladen hatte und das Löschen durch kubanische Soldaten geschützt wurde, eben auf Grund des Anschlages auf das Schiff der DSR einige Tage vorher.

Man wollte einen Anschlag auf dieses Schiff mit Haftminen durch Kampftaucher verhindern. Zu diesem Zweck erschienen auch alle 10 min kubanische Soldaten an der Reling und warfen Handgranaten in das Wasser. Ging man auf unserem Schiff in die unteren Decks, hörte man auch das typische Geräusch eines Sonargerätes. Am gegenüberliegenden Ufer war eine sowjetische Militärbasis und von dort wurde dem Erzählen nach der Löschvorgang ebenfalls mit Sonar überwacht.

Als Kapitän, der die Verantwortung über unser Schiff, Besatzung und Ladung hatte, begann nun eine unruhige Nacht wie sich jeder vorstellen kann. Ich fand keine Minute Schlaf und hatte immer vor Augen, es könnte ein Anschlag auf das neben uns liegende Schiff stattfinden wovon natürlich auch wir als Längsseitslieger betroffen gewesen wären.

Bis heute verstehe ich nicht, dass unser Schiff mit ca. 80 Mann Besatzung als Schutzschild gegen eventuelle Bombenanschläge benutzt wurde, noch weniger verstehe ich, dass ich als Kapitän durch keinerlei Behörde, Hafenamt, Botschaft der DDR, Firmenleitung oder dergleichen auf diese Situation vorbereitet bzw. hingewiesen wurde.

Gottseidank verlief die Nacht ohne Zwischenfälle abgesehen von den 10-minütigen Detonationen der Handgranaten und dem Geräusch des Sonargerätes. Am nächsten Tag kam die Austauschbesatzung und unsere Besatzung fuhr unter Militärbewachung auf den Flugplatz um den Heimflug anzutreten.

 

Später entdeckte ich im Internet folgende Zeilen über den Anschlag auf das DSR- Schiff „Arendsee“:

Terroristischer Anschlag

Das MS ARENDSEE lag am 29.07.1984 in Luanda auf Innenreede und wartete auf einen freien Liegeplatz. Offiziell beladen mit 2.782 t Stückgütern, deklariert als Solidaritätsgüter für die Angolanische Brfreiungsorganisation. Am 30.07.1984 um 03.40 Uhr erschütterten zwei Detonationen das Schiff. Das Schiff sackte über das Vorschiff ab.Auch der Maschinenraum stand unter Wasser, es kam zum Blackout. Um 03.46 Uhr wurde das Schiff organisiert verlassen und von dem MS BLANKENSEE, die ebenfalls in Luanda lag, aufgenommen. Wenig später gingen der Kapitän und vier weitere Offiziere wieder zur ARENDSEE zurück, um das Schiff zu besetzen und auf die Bergung vorzubereiten. Um 07.50 Uhr kam der sowjetische Schlepper NEOTRAZIMUY längsseits. Die ARENDSEE wurde mit dem Heck im rechten Winkel auf dem abfallenden Ufer aufgesetzt, um so ein Sinken zu verhindern. Untersuchungen ergaben ein Leck, ca. 5x5 m an der Achterkante der Luke II und ein weiteres Leck, ca. 6x3 m in Höhe des Maschinenraums. Die dritte am Unterwasserschiff angebrachte haftnmine konnte rechtzeitig entschärft werden. Zur Ladungssicherung kam MS BLANKENSEE längsseits und übernahm große Teile der Ladung der ARENDSEE. Am selben Tag wurden 14 Besatzungsmitglieder aus Luanda ausgeflogen. Nachdem die Ladungsübernahme abgeschlossen war wurden die Lecks provisorisch abgedichtet. Eine Untersuchung des Schiffes ergab, dass eine Bergung und Reparatur des Schiffes ökonomisch nicht zu vertreten war. So gab die DSR die Eigentumsverhältnisse an dem Schiff auf. Am 30.08.1984 wurde das MS ARENDSEE zum Totalverlust erklärt. Am 05.09.1984 bugsierte der Schlepper NEOTRAZIMUY das MS ARENDSEE aus den angolanischen Gewässern. Es wurde auf Position 08°42S, 12°51E versenkt. Das Schiff sank über den Achtersteven auf 530 m Wassertiefe.

Dieser Fall wurde von einer DDR-Regierungskommission untersucht und nicht vor der Seekammer verhandelt.




Letztes Update: 08.02.2011, 17:04 Uhr
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