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Schirmer
Jochen Schirmer
Kunstmaler


Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Kunst und Kultur in der Rostocker Hochseefischerei


von Günther Kröger

Es gehörte zu meiner Zeit im Fischkombinat Rostock, ob als Fangleiter, Kapitän, Direktor oder Matrose und Arbeiter einfach dazu, auch wenigstens etwas von der bildenden Kunst zu verstehen. Mit mir hatte man es schwer, denn ich hielt mich eigentlich für einen Kulturbanausen, dem das rechte Interesse fehlte. Doch ich kenne viele Menschen, ob auf See oder an Land, die sich mit der Kunst und der Kultur beschäftigten und auch über viele Dinge mitreden konnten. Als Fangdirektor und als Betriebsdirektor habe dann ich meine Haltung und auch meine Meinung geändert. Ich musste mich zwangsläufig mit der bildenden Kunst beschäftigen und mein Interesse vor allem für Bilder, für Schnitzereien und Keramiken wurden geweckt. Gelesen habe ich schon immer und habe ich Vielzahl von Büchern verschlungen und mich auch mit der hochklassischen Literatur befasst. Da brauchte man nicht nachhelfen.

Beigetragen zu meinem besseren Kunstverständnis haben natürlich die Künstler unseres Betriebes. Der Maler Wolfgang Maertz und der Bildhauer Wolfgang Eckardt hatten in unserem Betrieb ihr Atelier. Sie führten viele Arbeiter und Angestellte, ja auch Besatzungsmitglieder zu einem besseren und wertvollem

Umgang mit der Kultur und der Kunst. In Diskussionen machten sie uns mit ihren Kunstwerken vertraut, fragten nach unserer Meinung und förderten so das Verständnis zur Kunst. Sie waren sehr eng mit den Kollektiven unseres Betriebes verbunden und teilten mit ihnen Mühen und Sorgen. Bei Schiffsindienststellungen, suchten sie mit unseren Ingenieuren und den Besatzungsmitgliedern nach Bildern, die auf unseren Schiffen, dann in den Messen und anderen Räumen hingen. Mit ihnen gemeinsam wurden auch an eine Reihe anderer Künstler Aufträge vergeben und es entstanden wertvolle und eindrucksvolle Wandbemalungen in den Messen auf unseren Schiffen.

Es ist ganz verständlich, dass jeder von uns diese Kunstwerke mit anderen Augen sah und damit auch eine eigene Meinung zu den Werken äußerte. Es gab oft heftige Debatten um das Für und Wider zu manchen Kunstwerken. Unsere Künstler mussten manchmal auch hinnehmen, dass einige Werke überhaupt nicht ankamen und auf Unverständlichkeit stießen. Ich erinnere mich noch daran, dass Wolfgang Maertz eine Zeit hatte, wo das „Grau" in seinen Bildern überwog und seinen Seelenzustand widerspiegelte. Auch sie lernten daraus.

Wissen sollen jedoch auch unsere Leser, dass es auf See unter den Besatzungen eine reihe Menschen gab, die sehr gut malten und vor allem wertvolle, anspruchsvolle Fotografien ihr Eigen nannten. In meinem Flur hängt noch heute ein Ölgemälde von dem TVS „Martin Andersen Nexö". Ganz hervorragende Motive wurden auch in den selbst geknüpften Teppichen verarbeitet. Die auf See hergestellten Schiffsmodelle sind vor allem heute noch begehrt.

An Land gingen Betriebsangehörige oft zu den Kursen, die unsere Künstler gestalteten. Gern besucht wurde der Keramiklehrgang von unseren Frauen.

Auch mit dem heutigen Abstand, durch die vergangene Zeit, möchte ich behaupten, dass uns der enge Kontakt zu Künstlern und die gezielt eingeleiteten Aktivitäten für ein besseres Kunstverständnis nicht schadeten. So manch ein Kunstbanause, wie ich einer war, fand gefallen an den schönen Dingen des Lebens, die uns die Kunst und die Kultur bietet.

Und Wolfgang Eckardt sagte einmal: „Realistische Kunst gründet sich auf das Leben und wirkt auf das Leben hin, auf seine immer neue Umgestaltung und Veränderung im Sinne unserer Ideale".

Anlässlich des 30 jährigen Bestehen des VEB Fischfang Rostock wurde ein kleines Buch: Fischfang und bildende Kunst herausgegeben. Nachfolgende Inhalte und Darstellungen wurden diesem Buch entnommen.


 

Am 16. Juni 1980 wurde die Kunstausstellung — Fischfang und bildende Kunst — des VEB Fischfang Rostock anlässlich des 30jährigen Bestehens des Betriebes und der 18. Arbeiterfestspiele im Bezirk Rostock eröffnet.

In dem vorliegenden Kunstkatalog ziehen wir eine Bilanz über die Zusammenarbeit mit den bildenden Künstlern in den 30 Jahren des Bestehens unseres Betriebes und zeigen damit die Verantwortung der Arbeiterklasse für die Entwicklung unserer sozia­listischen Nationalkultur.

Die Zusammenarbeit mit den bildenden Künstlern hatte bei uns stets das Ziel, einerseits zu einer höheren ästhetischen Bildung unserer Werktätigen beizutragen und andererseits den Einfluss der Arbeiterklasse auf die bildenden Künstler zur Schaffung von Kunstwerken des sozialistischen Realismus geltend zu machen.

Die Förderung dieses Prozesses wurde durch die Partei- und Werkleitung sehr ernst genommen und schon in den 50iger Jahren kam es zu den ersten Kontakten mit Künstlern, die sich dann in den folgenden Jahren zu festen Bindungen ausweiteten. Die Bemühungen des Betriebes fanden bei unseren Künstlern viel Verständnis und führten zu einer wechselseitigen guten und kameradschaftlichen Zusammenar­beit die in vielen Kunstdiskussionen zwischen unseren Arbeitskollektiven und den Künstlern ihren Ausdruck fanden.

Es kam uns nicht darauf an, den Künstlern zu sagen, wie sie ihre Kunstwerke zu schaffen haben, sondern dazu beizutragen, dass sie tiefer und umfassender in die gesellschaftlichen Zusammenhänge einzudringen vermögen, dazu eine richtige Klassenposition einzunehmen und dem in ihren Kunstwerken Ausdruck zu verleihen.

Wenn diese Ausstellung und der Katalog neue Anregungen vermitteln und auch Ausgangspunkt noch intensiverer Wechselbeziehungen zwischen Arbeiterklasse und bildenden Künstlern sein wird, sehen wir diese Aufgabe als erfüllt an.

In diesem Sinne möchten wir allen Künstlern, die unseren Werktätigen mit ihren Werken ein neues tieferes Kunstverständnis nahebrachten und zur ästhetischen Bildung beitrugen, unseren herzlichsten Dank aussprechen und der Ausstellung in Verbindung mit den vielfältigen Diskussionen zur Rolle der Kunst in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der DDR einen guten Erfolg wünschen.

Betriebsdirektor




Letztes Update: 26.10.2011, 14:36 Uhr
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