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Schirmer
Jochen Schirmer
Kunstmaler


Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Aus der Geschichte der Rostocker Hochseefischerei vor dem 2. Weltkrieg

(entnommen aus einer Arbeit von Heiko Horstmann aus Cuxhaven)
übergeben von Kpt. Rudi Speer

Auf Grund der schlechten Ernährungssituation im Verlauf des 1. WK erwog man im Herbst 1917 auch in Rostock die Aufnahme der Fischerei. Die Rostocker Handelskammer konsultierte Reedereien und den Handel über die Aussichten des Hafens als Fischfangbasis. Unter dem Gesichtspunkt des Krieges erwartete man gegenüber den Nordeehäfen konkurrenzfähig zu sein.

Am 29.Juni 1918 wurde in Rostock durch die Reeder Ernst Brockelmann und F.W. Fischer sowie Otto Zelck die „Rostocker Hochseefischerei AG“ gegründet mit einem Kapital von 2 Mio. Mark. Mit von der Partie wearen auch der Fischräucherer Friedrich Otte, der Fabrikbesitzer Dr. Wilhelm Koch, Bankdirektor Wilhelm Grünhage aus Hamburg sowie schließlich F.Albert Pust, der schon Ende des 19. Jahrhunderts den gleichen Versuch unternommen hatte. Noch im Sommer 1918 kaufte das Aufsichtsratsmitglied Friedrich Otte von der kaiserlichen Marine den Passagierdampfer „Deutschland“, gebaut 1883. Die Umrüstung des Dampfers zum Fischereifahrzeug zog sich über Monate hin und wurde schliesslich ganz eingestellt. Das Schiff wurde aufgelegt und rottete vor sich hin. Als sich die Situation 1919 wieder verbesserte, entschloss man sich den Umbau fortzusetzen. Die fortschreitende Geldentwertung liess das aber zu teuer erscheinen und das Schiff wurde nach Hamburg verkauft, Der Gewinn war 64.502,05 Mark, übrigens der einzige Gewinn den die Gesellschaft jemals erzielen sollte.

Ähnlich ging es dem ehemaligem Passagierdampfer „Goldbutt“. Der Umbau wurde zwar abgeschlossen, aber aus dem schnellen Verkauf war ersichtlich, dass dieser „Trawler“ ebenfalls für die Fischrei ungeeignet war.

1919 wurde durch Ernst Brockelmann ebenfalls ein Schiff gekauft. Es war der am 11.11.1918 gesunkene und am 02.11.1919 gehobene Fischdampfer BX 95 „Berlin“. Er gehörte zur Hochseefischerei in Bremerhaven. Er kam im Februar 1920 als RS 1 „Vagel Grip“ in Fahrt.

Insgesamt wurden 7 Fischdampfer geordert. Es waren : 3 Dampfer bei Cäsar Wollheim, Breslau- Zweigbetrieb Stettin und 4 Dampfer bei J.G. Hitzler, Lauenburg/Elbe. Bei letzterer Werft sicherte man sich Optionen für weitere 3 Neubauten.

RS 1 „Vagel Grip“ war der erste Rostocker Fischdampfer der nach mehreren Jahrzehnten von Rostock aus wieder die traditionellen Fangplätze ansteuerte.

Im Laufe der Jahre 1919 biss 22 trafen die weiteren Neubauten in Rostock ein:
  • RS 2 „Consul Pust“ gebaut 1920
  • RS 6 „F.W. Fischer“ gebaut 1921
  • RS 7 „Wilhelm Grünhage“ gebaut 1922
  • RS 8 „Stadt Rostock“ gebaut 1922
  • RS 3 „Dr. Koch“ gebaut 1920
  • RS 4 „Ernst Brockelmann“ gebaut 1920
  • RS 5 „Dr. Asmus“ gebaut 1929

Als Basis Rostock erbaute die Stadt Rostock zwischen Juli 1920 und Herbst 1920 für geplante 1,8 Mio Mark einen eigenen Seefischmarkt. Letztlich kostet es mehr als 3 Mio Mark. Bis zur Eröffnug des Seefischmarktes löschten die von Island heimkehrenden Fischtrawler ihren Fisch an der Kaufmannshalle. So z.B. RS 5 am 14.10.1920 350 Zentner Schellfisch, RS 2 wenig später 420 Zentner aus der Nordsee.

Am 27. Oktober 1920 wurde pünktlich um 07.00 Uhr der neue Seefischmarkt eröffnet. Der Trawler RS 4 landet in bester Qualität 350 Zentner Fisch an.

Es wurden folgende Preise erzielt:

  • Schellfisch 1, Qualität kg 2,39 Mark
  • Kabeljau 1. Qualität kg 2,72 Mark.
Auf dem Rostocker Seefischmarkt konnten täglich 1.500 Zentner versteigert werden. Die wenigen Rostocker Fischdampfer waren somit nicht in der Lage, den Markt kontinuierlich auszulasten. Man spekulierte darauf, dass auch fremde Trawler Rostock anliefen, doch das war eine Hoffnung die sich nicht erfüllte. Auf Dauer konnten die Rostocker Dampfer dem Kostendruck aus folgenden Gründen nicht standhalten:
  • schlechte Bedingungen den Fisch ins Hinterland zu transportieren
  • steigende Inflation
  • teure Beschaffung der Bunkerkohle
  • Fischverkauf entlang der Küste verbot sich, um die Küstenfischerei nicht zu ruinieren.

Die Aktionäre der „Rostocker Hochseefischerei“ sahen sich nach finanzkräftigen Teilhabern um, damit ihr Unternehmen am Leben erhalten werden könne. Auch nach einer neuen Marktbasis wurde Ausschau gehalten Nachdem sich für den Fangbetrieb ab Rostock kein Interressent fand, verkaufte man Aktien über die Rostrocker Bank an die Importfirma Hillegaart & Co. In Altona, die im Sommer 1923 so nach und nach in den vollständigen Besitz der Gesellschaft gelangte. Nach aussen hin sichtbar wurde dies, als die RS 6 den Namen „Oscar Hillegaart“ erhielt. Gleichzeitig reduzierte sich die Anzahl der Rostocker Schiffe von acht auf sechs. Die „Rostocker Hochseefischerei AG“ existierte in der bisherigen Form weiter und behielt auch Rostock als Firmensitz, doch wurde von nun an der Fisch in Geestemünde angelandet. Die Firma Hillegaart erwies sich jedoch auch nicht als der richtige Organisator um einen rentablen Fischereibetrieb durchzuführen. Im August 1924 erwarb alle Aktien der „Rostocker Hochseefischerei AG“ der Magistrat der Stadt Bremerhaven und wurde in „Hochseefischerei Weser AG“ umbenannt.

 




Letztes Update: 19.02.2011, 13:15 Uhr
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