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Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Allgemeines zum Fischereihafen


Günther Kröger

In Rostock- Marienehe entstand ein neuer Fischereihafen.

Wir schrieben das Jahr 1951;

und meine Schulzeit ging zu Ende. Beworben hatte ich mich im Fischkombinat Rostock als Hochseefischerlehrling. gelernt habe ich aber im Fischkombinat Saßnitz. Nun werden Sie sicherlich fragen, wie es dazu kam.

Die Ursache lag am Bau des Fischereihafens Rostock.

Ich war zu einem Vorstellungsgespräch in Rostock eingeladen worden. Vermutlich hatte ich vor lauter Freude die Einladung nicht richtig gelesen, denn als ich mit meinem Vater dort in Rostock erschien, fanden wir dort in Marienehe weder ein Bürohaus noch Fischereischiffe. Es war Frühjahr und wir liefen auf einer riesigen Baustelle umher. Wir fragten nach dem Fischkombinat und man nickte und meinte: „ Da sind sie hier richtig, aber wir haben hier im zukünftigen Hafen noch kein Wasser“. Das sahen wir auch. Wo hier ein Büro sein sollte, konnte uns niemand sagen. Mein Vater war sowieso von meiner Idee Hochseefischer zu werden, nicht sehr erbaut. Er war Schuhmachermeister und ich sollte in seine Fußstapfen steigen und in seiner Werkstatt ein Handwerk erlernen. Die beiden Gesellen hatten mir schon einen Platz eingerichtet und der Schusterschemel wartete auf den Sohn. Niedergeschlagen kam ich wieder in Tarnow, meinem Heimatort, an.

War nun mein Traum von der Hochseefischerei geplatzt? In der Werkstatt meines Vaters lachten die Gesellen und wenn ich in der Werkstatt erschien, meinten sie: „Hier kannst du Probesitzen!“

Mein Vater erklärte mir, eine Lehre in Rostock käme nicht in Frage. Ich dachte, dann werde ich es in Saßnitz versuchen und so kam es dann auch.

Heute wissen wir, dass zur damaligen Zeit ein Teil der Betriebsleitung, die Lohnbuchhaltung und die Leute, die die Besatzungen einsetzten, auf einer Schute saßen, die in Rostock – Bramow, am Schlachthof, lag. Dort landeten auch die 25 Logger, die es zur damaligen Zeit schon gab, ihren Fisch an und sie wurden hier für neue Reisen ausgerüstet.

Ich habe noch einmal alle Unterlagen gesichtet, die es zum Bau des Fischereihafens gibt bzw. die in meinem Besitz sind. In dem kleinen Buch zur Betriebsgeschichte des VEB Fischkombinates Rostock vom Oktober 1974 ist der Hafenbau ausführlich beschrieben.

Hier ein Auszug:

.......wurde auf dem Gelände des ehemaligen Rüstungsbetriebes Heinkel AG der Aufbau der Landanlagen in Angriff genommen.

Die am Aufbau Beteiligten hatten einen komplizierten Auftrag übernommen. Das Gelände war mit Beton- und Eisentrümmern übersät. Große Erdmassen mussten auf einer Fläche von 60 ha bewegt werden. 500 000 m3 waren zur Erreichung des Geländeplanums abzutragen. Die Herstellung des Hafenbeckens mit einer Tiefe von 6,50 m und der Fahrrinne vom Hauptfahrwasser der Warnow zum Hafenbecken erforderte nochmals die Aushebung von etwa 3 Mio. m3 Erdmassen. Gleichzeitig damit erfolgte der Aufbau einer Fischhalle, in der ebenfalls eine Reparaturwerkstatt für die Schiffe provisorisch eingerichtet wurde.

Am 10. Dezember 1950 konnte für dieses Objekt das Richtfest gefeiert werden.

Diese umfangreichen Arbeiten mussten überwiegend mit der Schaufel, Hacke und Spaten durchgeführt werden. An Technik standen ein einziger Dampfbagger und eine Feldbahn mit Kipploren zur Verfügung. Die Arbeiter hatten wenig zu essen. Oft nur mit Sirupbrot und einer Sonderzuteilung Quark musste diese schwere Arbeit bewältigt werden. Der Weg zur Arbeitsstelle konnte, soweit vorhanden, trockenen Fußes nur mit Gummistiefeln erreicht werden.

Bis zur Fertigstellung der Löschhalle I war die gesamte Verwaltung des Kombinates, vom Kombinatsdirektor bis zur Lohnbuchhaltung, auf einer ausgedienten Schute untergebracht, die an der Warnow vertäut lag. Es kam vor, dass sich die Verwaltung auf der Warnow treibend vorfand, weil Seeleute gemeint hatten, ihr Recht auf Vorschuss sei nicht gewahrt worden. Als sie jedoch merkten, dass mit der Schute auch ihr Vorschuss auf der Warnow schwamm, holten sie die Schute wieder zum Ufer zurück.

Mit der Inbetriebnahme des ersten Teils des neugebauten Hafenbeckens und der Fischhalle I im Mai 1951 wurden die Arbeitsbedingungen wesentlich verbessert. In diesem Teil entstand auch die neue Eisfabrik, die die Schiffe mit diesem notwendigen Kühlmittel für den gefangenen Fisch versorgte. Bis dahin wurde das Eis aus dem Schlachthof Bramow, der Rostocker Brauerei und anderen Mecklenburger eisherstellenden Betrieben, ja, während der Sommermonate sogar aus Berliner Brauereien herangeschafft. .....

Soweit der Auszug.

Den zweiten Teil des Hafens weihte am 28. Juni 1952 der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg – Bernhard Quandt – mit der Sprengung des Sperrdammes ein.

Bekanntlich entstanden 1954 und 1955 dann die Fischmehlfabrik und fast daneben das Kulturhaus mit dem Fred Wehrenbergsaal. Hier war die Großküche mit dem Speisesaal eingerichtet. Ebenfalls entstand die Salzerei in dem Quergebäude am alten Hafen. Es steht heute noch, wie auch die beiden Fischhallen. Auch heute finden wir noch die Poliklinik auf dem kleinen Berg am Rande des Betriebsgeländes.

Die Bebauung um das Hafenbecken wurde beendet. Damit wurde auch die Ausrüstung der Schiffe mit den notwendigen Materialien für die Fangreisen verbessert. Über dem Durchgang zwischen den beiden Fischhallen, wurde ein Netzboden eingerichtet und die Werkstatt für kleinere Schiffsreparaturen erhielt auf der anderen Hafenseite, gegenüber den Fischhallen ein neues Zuhause.

Im März 1952 erfolgte außerhalb des Betriebsgeländes, gegenüber der Straßenbahnhaltestelle, die Grundsteinlegung für das Lehrlingswohnheim. Die Betriebsberufsschule wurde im Dezember 1952 eingeweiht. Auch entstand 1953 ein Kindergarten, ein Jahr später eine Kinderkrippe und eine Kindertagesstätte. Diese Einrichtungen wurden bei der Betriebspoliklinik auf dem kleinen Berg errichtet.

Als ich 1953 mit meinem Freund Wolfgang Fehling von Saßnitz nach Rostock kam, fanden wir einen ordentlich laufenden Hafenbetrieb vor.

Unsere Wartezeit auf ein Schiff verbrachten wir auf dem Netzboden. Doch nach 14 Tagen schwammen wir bereits auf See und waren auf dem Weg in die Nordsee.

 

 

 

 


Allgemeines zum Fischereihafen

Letztes Update: 01.01.1970, 01:00 Uhr
Günther Kröger - 2008