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Schirmer
Jochen Schirmer
Kunstmaler


Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Grönland


„Fischereispezialkarten" von den Kapitänen Uwe Kröger und Klaus Worgall

 

Schwarzer Heilbutt im NO-Atlantik

Günther Kröger

Der  Bericht über den Schwarzen Heilbutt im Gebiet NO-Atlantik wurde aus eigenen Arbeitsunterlagen, dem Nachlesen im Fachbuch von Günter Mau - Fischereikunde - und der Ausarbeitung von           L. Heinrich ehem. Abt. FWP und anderen betrieblichen Unterlagen erarbeitet.

Schwarzer Heilbutt, ob gegart oder geräuchert, zog ich früher und auch heute noch dem damals und heute begehrten Aal vor.  So geht es auch vielen meiner Hochseefischer Kollegen.

Bei der Bearbeitung der Fangebiete ordnete ich auch meine Arbeitsunterlagen, die wertvolle Aussagen zu einer Reihe von Fischarten enthielten.

In dieser Ausarbeitung möchte ich mich mit dem „Schwarzen Heilbutt im großen Gebiet NO-Atlantik" befassen.

Der Schwarze Heilbutt mit wissenschaftlichem Namen -Reinhardtius hippoglossoides- ist ein sogenannter rechtseitiger Plattfisch. Er lebt bekanntlich in Tiefen von 200 - 2000 m  im bodennahen Bereich, jagdt aber seiner Beute auch im Pelagial. 
Als Nahrung bevorzugt der Schwarze Heilbutt Tiefseegarnelen, aber auch Krabben, Kopffüßler - Mollusken und verschiedene Fischarten ua. Poutassou. Eine starke Nahrungsaufnahme wurde in Tiefen von 200 bis 500 m festgestellt.
Die Männchen werden maximal 80 cm und die Weibchen 1 m lang.
Geschlechtsreif werden sie im Alter von 9 - 12 Jahren im Gebiet Island bei einer Länge von 50 - 70 cm und in der Barentssee von 35 - 45 cm.
Die Hauptweideplätze bei Island liegen im Norden und Osten der Insel. Im NW der Insel befindet sich das Laichgebiet des Schwarzen Heilbutts.
Die Laichplätze liegen in größeren Tiefen, z.B. im Nordmeer bei 700 - 2000 m.   
Die Laichzeit bei NW-Island liegt im Zeitraum ca. März - Mai und im Nordmeer ist die Hauptlaichzeit im Dezember.
Die wichtigsten Fangplätze des NO-Atlantik für den Schwarzen Heilbutt befinden sich an den Steilabhängen des Kontinentalsockels bei Island, Norwegen, Spitzbergen und der Barentssee. Auch bei den Faröer war unsere Flotte im Einsatz.

Aus meinen Arbeitsunterlagen geht hervor und sie decken sich im Wesentlichen mit den Aussagen von L.Heinrich, das wir sowohl bei Island (ich denke an die kurzweiligen sehr effektiven Einsätze der Flottillen ROS 316 und ROS 317 mit den Z-Trawler aber auch mit anderen Schiffseinheiten), an der norwegischen Küste, bei Spitzbergen und in der Barentssee, auch bei den Faröer - Inseln Schwarzen Heilbutt fischten. Vor allem in Tiefen von150 - 900 m und auch tiefer.
Als besonders effektive Fangplätze sind mir in Erinnerung, das Gebiet Vikarall (April/Mai), sowie Barda Grund (Mai/Juni)und Gammelloch. Meistens wurde vor April im Norden Islands die Fischerei durch Eis behindert.
Im ersten Quartal war im Gebiet Island, im nördlichen Gebiet, wegen Eis, keine ertragreiche Heilbuttfischerei möglich. In Abhängigkeit vom Eis wurde die Fischerei bei Vikurall erst Mitte bis Ende April in Tiefen bis 1000 m aufgenommen. Sie erreichte im Mai ihren Höhepunkt. Fangplätze, die in der Nachlaichphase und der Weideperiode gute Ergebnisse bringen würden, liegen innerhalb der damaligen 50 sm Zone, blieben uns verschlossen.
Im Juni und Juli hatten wir eine Mischfischerei.
Im östl. Gebiet konnten immer wieder außerhalb der 50 sm Zone geringe -nicht geschlechtsreife Tiere -Konzentrationen angetroffen werden. Hier wurde hin und wieder im IV Quartal gefischt.
Gute Fischerei war ebenfalls am westlichen Abhang in der Barentssee.
 (siehe Karten Island 1, 2 und 3)

Untersuchungen, die 1973 durch die „Junge Garde" in Auswertung der Z-Trawlerfänge bei Island gemacht wurden sagen aus, dass die besten Fänge in der Zeit von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr erzielt wurden, danach steht auch der Heilbutt im Pelagial und jagdt seiner Nahrung nach.
Ähnlich waren auch die Aussagen sojetischer und polnischer Biologen.
Bei Vikurall wurde die Beobachtung gemacht, dass der Schwarze Heilbutt in sogenannte Wellen durch das Gebiet zog und dann in die Tiefsee zum Laichen abzog. Heinrich schreibt, die Schwärme traten häufig zuerst nördlich und flacher auf (NO, 600 m Wassertiefe/ Loran 1L5 1400) und zogen sich dann in 1 -2 Tagen immer südlicher und tiefer und verschwanden bei 900 m Wassertiefe (SW, Loran 1L5 1450). Die nächste Welle setzte dann wieder im Norden ein.
Die Nachlaichkonzentrationen wanderten in NO-licher Richtung zu den nördlichen Laichplätzen Islands.
Die Fischerei bei NW-Island im Zeitraum Ende April/Mai/Anfang Juni bezieht sich im wesentlichen auf Nachlaichkonzentrationen. Natürlich handeltes sich in der ersten Maihälfte noch um Laichkonzentrationen. Danach ist der Heilbutt abgelaicht. Die Konzentrationen werden geringer.
Bei der Fischerei spielen die Hydrologischen Bedingungen und die Strömungsverhältnisse bei Island eine entscheidende Rolle in der Fischerei.
Der Heilbutt laicht bei Wassertemperaturen am Boden von um 5 Grad C. In der Nachlaichphase hält sich der Schwarze Heilbutt in der Warmwasserseite der Konvergenzzone bei plus 2 - 2,5 Grad C auf. (April/Mai) Während der Weidewanderung bevorzugt er die Kaltwasserseite mit - 0,2 Grad C bis plus 0,2 Grad C.
Oft haben die Kapitäne festgestellt, dass der Heilbutt nach Stürmen verschwunden war. Sie fanden die Konzentrationen aber wieder, wenn sie sich mit den Schiffen verteilten und unterschiedliche Wassertiefen untersuchten. Ein Zusammenhang muss mit dem kurfristigen Verschieben der Konvergenzzone gesehen werden.
Gerne wollte man eine Beziehung der Oberflächentemperaturen mit den Bodentemperaturen herstellen. Es war aber nur bedingt möglich. So hat man auf den Plätzen Bardagrund und Gammelloch beobachtet, dass der Heilbutt nur bei Oberflächentemperaturen von plus 6 Grad C zu fischen war. In anderen Wasserkörpern war keine Fischerei. Bei guter Fischerei auf dem Fangplatz Vikurall hatte man Wasseroberflächentemperaturen von plus 4 Grad C und plus 7 Grad C. Es wurde auch festgestellt, das sich die Heilbuttschwärme an der Grenze zwischen dem kalten ostgrönlandischem Wasser und der warmen Irminger Strömung aufhalten.
L. Heinrich berichtete, dass an der Schelfkante südl. der Bäreninsel (72-73 Grad) sich die Heilbuttkonzentrationen gelegentlich auflösen.
Ursachen liegen in den Strömungsveränderungen. Dieser Zustand dauerte einige Tage an und danach stabilisierten sich die Fänge wieder.
Manchmal veränderten sich dann aber die Fangtiefen.

Ich erinnere mich, das wir in den Gebieten Spitzbergen, Bäreninsel und Kopytowbank Heilbutt, Kabeljau und Rotbarsch fischten.
Kapitän Seifert erzählte mir (siehe auch die kleine Seekarte), dass er westl. von Spitzbergen mit seinem Frosttrawler gut Heilbutt fischte.
Aus unseren Erfahrungen wissen wir, dass wir in den Tiefen bis
500 m meistens Rotbarsch und Kabeljau fischten. In größeren Tiefen dominierte der Schwarze Heilbutt. Im II. Quartal wanderte dort der Heilbutt nördlich. Im östl. Gebiet der Barentssee brachte die Fischerei bis zu 40 Prozent Heilbutt. Im III. Quartal ist der Heilbutt auf Nahrungssuche, die Konzentrationen werden geringer. ( 500 - 900 m)
Gegen Ende des Quartals steht der Heilbutt kurz vor der Laichzeit. Es treten wieder größere Konzentrationen auf und die Fänge stiegen.
Für eine gezielte Fischerei sind die Monate September bis November vorteilhaft. (Vorlaichkonzentrationen)
Hauptlaichzeit ist im Dezember und damit konzentriert sich der Heilbutt sehr stark. Ab Januar ist dann die Fischerei vorbei, weil der Heilbutt sich auf dem Barentsee - Schelf  zur Nahrungsaufnahme
verteilt.
Im Gebiet der Faröer - Inseln ist eine Fischerei Mai - September möglich. Der Fangplatz liegt ONO der Insel. Fangtiefen liegen bei 400 - 600 m. Generalposition 62° 30' N und 04°00' W.

Wegen der extremen Bodenverhältnisse war die Fischerei bei Island immer sehr aufwendig. Die Schleppzeiten waren bei Vikurall nie länger als 1 Stunde, meistens kürzer. Man wollte vermeiden, dass man mit kaputtem Geschirr Fischereizeit ohne Fang verliert.
Von unserer Flotte wurden folgende Netze eingesetzt: 140 Fuß Netz, RG 400, RG 460, RG 470, und RG 560.
Heinrich sagt aus und ich kann es bestätigen, dass mit allen Netzen gute Fänge erzielt wurden. Es muss aber eingeschränkt werden, dass kleinere Netze vorteilhafter bei den vorherrschenden Bodenverhältnissen waren. (140 Fuß Netz/RG 400)
Wegen der starken Strömung spielte das Vorgeschirr bezüglich der Einschränkung der Netzschäden eine besondere Rolle. Günstig erwies sich die Ponny-Variante. Aber auch Kapitäne, die mit dem Joch fischten hatten Vorteile.
Kurrleine und Scherbretter beeinflußten ebenfalls die Netzschäden.
Wir erinnern uns alle, bei den größeren Fangtiefen, musste auch mehr Leine gesteckt werden. Man hat festgestellt, dass dabei sich die Leinen Aufdrehten, ein größerer Reck entstand. (gemessen bis 12 m)
Der Kurrleinen verschleiß war sehr hoch. Die Hangerrollen verschlissen. Wir haben in dieser Situation Reservehangerrollen zum Einsatz gebracht, die das Verdrehen der Leinen einschränkten.
Viele Kapitäne fuhren bei Island in der Heilbuttfischerei auch mit verlängerten Jagern. (bis 100 m)
Mir ist noch ein alter Spruch unserer Kapitäne in Erinnerung: Dat olle Net kümmt up denn Galgen. Ward für de Islandfischerie reserviert.


Die Grönlandfischerei ist wie in keinem anderen Gebiet von Meeresströmungen, Eisvorkommen und der Wetterlage abhängig. Der Fischereireichtum um Grönland wird entscheidend durch den Ost- und Westgrönlandstrom sowie dem Ausläufer des Irmingerstromes beeinflusst. An der Ostküste Grönlands fließt der Ostgrönlandstrom aus dem Nordpolarbecken kommend nach Südwesten. Nordwestlich Islands schließt sich ein Teil des warmen Irmingerstroms an. Sie fließen beide parallel, südlich um Kap Farvel. Dort setzen sie ihren Weg nordwärts als Westgrönlandstrom fort. Je weiter sie nördlich fließen, je mehr findet eine Vermischung statt. Der nördlich fließende Westgrönlandstrom mit dem Ausläufer des Imingerstromes wird von dem Baffinlandstrom und dem Labradorstrom aufgenommen. Die Temperaturen des Westgrönlandstromes sind wärmer als der Ostgrönlandstrom und dem an der kanadischen Küste südlich ziehenden kalten Labradorstrom. Dadurch findet eine günstige Beeinflussung der Eisverhältnisse an der Westküste statt.

Jahreszeitlich ist die grönländische Fischerei sehr stark von den Eisverhältnissen abhängig. Drei Haupteisarten werden unterschieden. 1. Das Drifteis polaren Ursprungs, 2. Das örtlich Wintereis in Fjorden und Buchten und 3. die Eisberge. Das Drifteis ist flächenmäßig am weitesten verbreitet und wird in großen Mengen aus dem Polargebiet mit dem Ostgrönlandstrom nach Süden um Kap Farvel und danach an der Westküste nördlich transportiert. An der Westküste wird ebenfalls Eis aus der Baffin Bay durch den Baffinlandstrom und in der Fortsetzung dem Labradorstrom zugeführt. Der Eistransport wird südlich durch das wärmere Wasser begrenzt, es ist aber jahreszeitlich unterschiedlich. Die Packeisgrenze liegt an der Ostküste um 68 ° nördlicher Breite und an der Westküste weit nördlich der Disko Bank. In manchen Jahren verbreitete sich das Packeis an der Ostküste bis Kap Farvel. Das Drifteis an der Ostküste erreicht im November Angmagssalik, im Dezember oder Januar Kap Farvel. In eisarmen Jahren kann es auch erst im März das Kap erreichen und von dort dann nördlich ziehen.

Die Fischerei vor Südwest-Grönland findet dann meisten in den sich gebildeten Waken statt. Diese beschriebene Eisdrift transportiert ebenfalls die Eisberge, die dann letztendlich mit dem Labradorstrom nach Süden verlagert werden.

Südlich der Disko-Bank liegt das Westeis weiter von der Küste ab, so dass gewöhnlich die westlichen Fangplätze eisfrei sind. Die geringste Vereisung um Grönland finden wir in den Monaten Oktober und November. Die Situation verändert sich aber jährlich immer wieder.

Vor Grönland wurde von der deutschen Hochseefischerei 1952 die Fischerei aufgenommen. Vor dieser Zeit wurde auf den westlichen Bänken von April bis Oktober durch Portugal, Frankreich, Norwegen und den Faröer eine saisonale, reine Kabeljaufischerei betrieben. Der Fisch wurde geklippt und gesalzen.

Die deutschen Fischdampfer dehnten die Kabeljaufischerei bis Januar auf den südlichen Fangplätzen aus und landeten den Fang frisch an. 1954 wurde vor Julianehaab erstmalig Rotbarsch gefischt. An der Ostküste wurden 1955 durch das Forschungsschiff „Anton Dohrn“ ebenfalls Rotbarschvorkommen gefunden. Von den deutschen Fischdampfern wurden daraufhin diese Rotbarsch-, aber auch die Kabeljauvorkommen an der Ostküste genutzt.

Ab 1957/58 wird um Grönland ganzjährig der Kabeljau und Rotbarsch, aber auch der Schwarzen Heilbutt durch die deutsche Hochseefischerei genutzt. Diese ganzjährige Fischerei war immer wieder abhängig von den Eis- und Windverhältnissen und ich möchte betonen in den einzelnen Jahren unterschiedlich.

Vorliegende Berichte sagen aus, dass es zwei Kabeljaubestände gibt. Den einen Bestand fanden Fischereikapitäne meistens im Frühjahr zum Laichen auf den Westhängen der Bananen- und Fyllas-Bank in Tiefen von 500 m. Nach dem Laichen im Mai bis Juni wanderte der Kabeljau an der äußeren Schelfkante nach Norden in das Gebiet der Kleinen Heilbutt-Bank, der Helder-Bank bis zur Großen Heilbutt-Bank. Hier vermischte er sich teilweise mit dem zweiten Kabeljaubestand.

Während der Fressperiode im Sommer stand der Kabeljau auch im Pelagial. Im September beginnt die Rückwanderung südlich durch küstennahe Gewässer. Im Bereich der Laichplätze, im relativ wärmeren Wasser an der Westseite der Bänke überwinterte dann der Kabeljau.

Der Hauptteil des zweiten Bestandes wanderte weiter südlich und suchte Gebiete an der Ostküste Grönlands, aber auch der Westküste Islands auf.

Als günstige Fangzeit wurde an der Westküste die Zeit zwischen April bis Oktober angesehen. An der Südspitze hatten wir auf diesen Bänken eine gute Fischerei im Dezember bis Januar und an der Ostküste ebenfalls in der Zeit von April bis Oktober.

Rotbarsch wurde auf den südlichen Bänken bis in Höhe Julianehaab gefischt. Ab März bis August dehnte sich die Fischerei bis zur Fiskenaes- und der Kleinen Heilbutt- Bank aus. Der Rotbarsch bevorzugt wärmeres Wasser zu dieser Zeit und steht sowohl an der Westseite als auch an der Ostseite und auch zwischen den Bänken. Oftmals wanderten Rotbarschbestände von der Dänemarkstraße in diese Gebiete nach.

Heilbuttfischerei gab es auf den nördlichen Bänken und vor dem Baffinland.

Nicht nur die Eis und Windverhältnisse beeinflussten die Fischerei der deutschen Fangschiffe, auch die Bodenverhältnisse waren äußerst schwierig. In der damaligen Zeit mussten die Kapitäne schon eine exakte Navigation betreiben. Weitreichende Radargeräte waren die Voraussetzung für genaue Positionen. Die meisten Kapitäne fertigten sich von bestimmten Fangplätzen Spezialkarten an, in denen die Peilungen bestimmter Landobjekte, Wassertiefenangaben und Kurse eingetragen waren. In der heutigen Zeit werden die günstigen Schleppstriche elektronisch gespeichert und stehen so den Fischereikapitänen immer wieder zur Verfügung.

Viele Kapitäne zogen die Grönlandfischerei, der Fischerei in den Labradorgebieten vor.


Folgende Bilder betreffen die Fischerei im Gebiet Grönland - Dr. Kapitän Gerhard Trost




Letztes Update: 29.10.2017, 14:22 Uhr
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