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Schirmer
Jochen Schirmer
Kunstmaler


Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Amerika

Verbreitungsgebiete Schwarzer Heilbutt bei Labrador und Grönland


Heilbuttfischerei im NW-Atlantik

Günther Kröger

Der Bericht über den Schwarzen Heilbutt im Gebiet NW-Atlantik wurde aus eigenen Arbeitsunterlagen, dem Nachlesen im Fachbuch von Günter Mau - Fischereikunde - und der Ausarbeitung von L. Heinrich ehem. Abt. FWP und anderen betrieblichen Unterlagen erarbeitet.
Die Fanggebiete des NW-Atlantik wurden von der Rostocker Flotte immer intensiv befischt. 1957 steuerte Kapitän Heinrich Krönke seinen Trawler „Dresden“ ertmals in das Fanggebiet Grönland. Dann folgten Kapitän Peter Burmeister mit der „Weimar“ und Hein Roesner mit der „Magdeburg“. Beide Kapitäne fuhren jedoch nicht nach Grönland, sonder fischen Rotbarsch bei Neufundland. Danach gehörten diese Fangplätze im NW-Atlantik auch zu den Regionen, die wir regelmäßig aufsuchten. Eingeschränkt wurde unsere Fischerei durch Vergabe von Quoten durch die Fischereiorganisationen, dann ab 1977 durch 200 sm ökonomischen Zonen mit der Lizenzfischerei.
Die nachfolgenden Betrachtungen beziehen sich auf die, Zeit als die 200 sm Zonen noch nicht eingeführt waren.
Wir fischten in dieser großen Region Rotbarsch, Kabeljau, Grenadierfisch und Heilbutt. Doch auch andere Fischarten wurden durch unsere Besatzungen befischt. Wir versuchten südlich der Neufundlandbank Seehecht zu fischen und waren bei Labrador für die Japaner im Loddefang. Heilbutt wurde eigentlich nicht gezielt gefischt. Erinnern kann ich mich aber an die Reisen von „Louis Fürnberg“ (1972) und Bertolt Brecht (1973). Sie befischten gezielt den Heilbutt in diesen Gebieten und machten gute Reisen.

Sonst hatten wir Heilbutt nur als Beifang in der Grenadier- und Rotbarschfischerei. Der Anteil von Heilbutt lag durchschnittlich bei 10 – 20 %. Beim Grenadierfischfang hatten wir jedoch immer einen größen Anteil Schwarzen Heilbutt, der uns oft bei der Lizenzfischerei Schwierigkeiten bereitete.

In dem Gebiet Baffinland/Labrador fischten wir in Tiefen von 600 -850 m und im Gebiet Neufundland/Labrador waren die Fangtiefen 450 – 700 m. Doch durch die Eissituation suchten unsere Schiffe kurzfristig auch andere Plätze auf, wie z.B. Heilbuttgremm, wo einige Tage reiner Heilbutt gefangen werden konnte.

Wir können also feststellen, die Heilbuttvorkommen fanden wir im arktischen Gebiet (67° N), also W-Grönland, dem Baffinland, Labrador und N-Neufundland (42° N). In anderen Gebieten wurden nur ganz geringe Beifänge, mehr Einzelexemplare mit im Fang festgestellt.

In den Gebieten vor Westgrönland bildet der Heilbutt eine eigene Population. Die Laichplätze liegen in der Dänemarkstrasse. Der Heilbutt aus dem Gebiet Baffinland, Labrador und nördlich der Großen Neufundlandbank gehört zu einem einheitlichen Bestand, der im großen Gebiet Baffinland laicht. Dass der Heilbutt nicht aus-schließlich in Bodennähe gefischt wird, führte ich bereits im Bericht NO-Atlantik an. Heinrich sagt in seiner Ausarbeitung, dass er sich zeitweise mehr im Pelagial aufhält und hier nach Tiefseegarnelen, Wolfsfische, Lodde und kleinen Kabeljau jagt. Die adulten Tiere wurden in aufrechter Schwimmhaltung in Tiefen bis 1500 m angetroffen und laichen und von April bis Juli in Tiefen von 600 – 1500 m, bei Temperaturen von 3 bis 5 °. Jungfische verbleiben anfangs am Boden in flacheren Gewässer von 50 bis 200 m, erst beim erreichen von Größen um 12 – 25 cm ziehen sie auch in größere Tiefen. Geschlechtsreif werden sie mit 9 bis 10 Jahren.

Unsere Kapitäne und Besatzungen haben festgestelt, dass es von Süd nach Norden einen Größenzunahme gibt. Gleiches gilt für das Schelfgebiet und den Kontinentalabhang.

Sein Verhalten bei unterschiedlichen Temperaturen habe ich im anderen bericht beschrieben, es ist auch hier zutreffend.
Heinrich sagt in seinem Bericht, dass 1972 auf den Positionen von 61° 30‘ N bis 63° 30‘ N in der Zeit vom 1. August bis 20. Oktober relativ stabile Einheitserträge mit überwiegendem Heilbuttanteil erzielt wurden. In 573 Fangtagen wurden insgesamt 10.912 t, davon 7.362 t, also 68 % gefischt. (Rest Grenadierfisch)
In seinem Bericht über die Heilbuttfischerei im NW-Atlantik verweist Heinrich auf eine Reihe von Fangaktivitäten unserer Flotte. Diese möchte ich anschließend darstellen, denn sie geben einen guten Überblick über Möglichkeiten der Heilbuttfischerei, die unsere Kapitäne nutzen.
Erstmalig wurde von unserer Flotte (MAN und Trawler) in größerem Umfang eine Tiefenfischerei vor Baffinland (63° N; 61° W) und Labrador ( 56° N; 57°30‘ W) in den Monaten August bis September durchgeführt. Es wurde vorwiegend Grenadier in den Tiefen von 600 bis 900 m gefangen.

Nun zu den Fangaktivitäten von ROS 305 und 301 in diesen Gebieten. „Louis Fürnberg“ fischte vom 20.09. bis 20.10. auf den Positionen 62° N 10‘ W bis 63° N und 61°30‘ bis 60° 45‘ W - Baffinland und erzielte in Tiefen von 450 bis 600 m gute Heilbuttfänge auf Laich- und Nachlaichkonzentrationen. Die SU hatte aber im August im gleichen Fanggebiet weitaus höhere Ergebnisse.

Im Gebiet Labrador/Neufundland konnten durch „Bertolt Brecht“ (Reise vom 12.03 bis 14.07. 1973) sehr ergiebige Fangergebnisse auf Schwarzen Heilbutt erzielt werden.

Im Mai wurde auf den Positionen zwischen 51° 10‘ bis 49° 50‘ N und 52° 40‘ W (Generalposition: 50° 00‘ N und 52° 45‘ W) nördlich der Funkinsel Tagesfänge von 25 bis 40 t Heilbutt, teilweise mit 10 bis 20 % Rotzungenanteil gefischt werden.
In der II. Hälfte des Monats Juni erzielten wir ebenfalls auf den Positionen 56° 15‘ N und 57° 35‘. W sehr gute Heilbuttfänge. Wir fischten in Tiefen von 500 bis 620 m.

 


Die ersten Rostocker Fischereifahrzeuge vor Westgrönland / Labrador ab 1958

von Fritz Hartung

Es ist das große Verdienst von Kapitän Hein Krönke, mit dem Trawler ROS 219 Ende 1957 / Anfang 1958 erstmalig die Fischerei bei Westgrönland aufgenommen zu haben. Die Fangergebnisse, die er mit seiner Besatzung erzielte, waren so überragend, dass auch bald weitere erfahrene Kapitäne und Besatzungen des Rostocker Fischkombinates diesem Beispiel folgten .
Die Gewässer des Nordwestatlantik zählten von da an über mehr als ein Jahrzehnt zu den ertragreichsten Fanggründen der Flotte .

Einer von den ersten erfolgreichen Kapitänen in diesem Gebiet war auch Kapitän Peter Burmeister,ein Pionier der ersten Stunden des Fischkombinates und Leistungsträger und hochanerkannte Persönlichkeit in der Flotte .
Er schreibt dazu über diese bewegenden Zeiten und seine ersten Reisen in diese Fanggebiete :
„Nachdem Hein Krönke mit ROS 219 im Januar 1958 von Südgrönland zurückkam , kamen Kapitän Heinz Roesner ,ROS 208 und ich überein, unsere nächste Reise mit ROS 219 nach Südgrönland zu machen. Ich lief am 5.2.1958 mit ROS 220 aus. Wir fuhren durch den Nord - Ostsee- Kanal, um fehlende Seekarten in Holtenau zu übernehmen. Haben uns dann nördlich der Hebriden mit ROS 208 getroffen, um die Karten zu übergeben, dann weiter Richtung Westen.

ROS 219 lief nördlicher, um zum Fangplatz seiner vorigen Reise zu kommen . Südgrönlands Gewässer waren aber zu der Zeit mit großen Eisfeldern bedeckt .ROS 208 und ROS 220 liefen dann in Richtung Neufundland weiter und setzten im Gebiet Flemish Cape aus, Generalposition 48° N 45° W. Vom 17.2.-24.2.1958 fischten wir dort Rotbarsch mittlerer Sorte. ROS 219 kam dann auch vom Norden zu uns. Auch ROS 207 mit Kapitän Heinz Adler und ROS 218, Kapitän Carl Volkers
waren kurz nach uns in der Gegend. ROS 218 hatte während dieser Zeit einen Todesfall , der Kollege wurde dann feierlich der See übergeben. Wir, ROS 220 liefen am 5.3.1958 in Rostock ein.

Im Folgejahr, am 4.1.1959 lief ich mit ROS 220 aus mit dem Ziel Labrador. Wollten die Südroute fahren durch den englischen Kanal, somit auch vorher durch den Nord –Ostsee-Kanal. Der Kanallotse zeigte uns eine Zeitung vom Tage mit der Schlagzeile „ Sensation am Fischmarkt“ . Ein westdeutscher Trawler kam von der Irischen See mit voller Ladung Hering und hatte einen super Marktpreis erzielt. Meine Reise davor waren wir auch in der Irischen See, aber kaum Heringsfänge erzielt, Heimreise erfolgte mit 210 Korb. Nach Rücksprache mit dem Fangleiter Hannes Reinhold in Rostock haben wir dann in Cuxhaven Salz übernommen und das Reiseziel geändert,  auf zum Hering.

Vom 9.1.1959 bis 14.1.1959 haben wir 380 Korb Hering gefangen, die Blütezeit war wieder vorbei. Es befand sich der Logger ROS 128 ebenfalls dort. Sind am 15.1.1959 beide in Queenstown / Irland eingelaufen und haben unsere 380 Korb Hering an ROS 128 übergeben, und von ihm noch Eis und etwas Proviant sowie Diesel übernommen. Der Logger trat die Heimreise an, und wir setzten unsere Reise nach Labrador fort. Am 25.1.1959 nahmen wir die Fischerei im Gebiet um die Position 52° - 53° N 52° 30' W auf. Am 29.1.1959 nach 4 Tagen Fischerei um 00.45 Uhr gingen wir mit voller Ladung Rotbarsch und 35 Stück weiße Heilbutt auf Heimreise . Von unserer Flotte waren wir die einzigen zu dieser Zeit in diesem Gebiet  Zahlreiche sowjetische Fahrzeuge befanden sich dort. Am 8.2.1959 beendeten wir unsere Reise Irland –Labrador.

Bei der übernächsten Reise liefen wir am 2.5.1959 in Richtung Rotbarschwiese – Bäreninsel aus.
Die Wiese war leer. Kurz entschlossen setzten wir alles wieder fest zum Dampfen und verließen die Wiese in Richtung Labrador.( Ohne Nachfragen oder Erlaubnis, damals ging das noch. ) Am 20.5.1959 nahmen wir die Fischerei bei Labrador 53°N 52°20' W auf. Nach knapp 3 Tagen Fischerei – am 22.5.1959 18.00 Uhr ging es mit voller Ladung auf Heimreise,und wir waren am 1.6.1959 wieder zu Hause .

Von da an wurde die Fischerei zwischen Neufundland und Hamiltonbank, eben um 53° Nord von uns in größerem Maße betrieben. “

Wie wir diesem Bericht heute entnehmen können, waren nach der erstmaligen Fischerei eines Rostocker Trawlers ROS 219 unter der Leitung von Kapitän Hein Krönke bei Südgrönland, die ersten beiden Rostocker Schiffe die Trawler Ros 220 , unter Kaptitän Peter Burmeister und Trawler ROS 208, unter Kapitän Heinz Roesner,  die erstmalig den Fangplatz Flemish Cape/ Labrador befischten.

Ich bedanke mich recht herzlich bei Kapitän Peter Burmeister, der uns diesen Bericht zur Verfügung stellte im Zusammenhange mit unseren Arbeiten für die Ständige Ausstellung über die Rostocker Hochseefischerei und auch für seine Zusage zur Veröffentlichung im Internet .

 

 




Letztes Update: 06.11.2012, 16:31 Uhr
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