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Schirmer
Jochen Schirmer
Kunstmaler


Arbeitskreis


60 Jahre
Fischwirtschaft
in Rostock Marienehe



Bilder vom Fischereihafen aus den Jahren 1950 bis 1990 und nach der Wende 1990

Fischereihafen




Ständige Ausstellung
Hochseefischerei 1950-1990

Societät Rostock maritim e.V.


Devisenkampf der DDR-Hochseefischer



Dieter Flohr | 20.05 2009

Rostock (OZ) Der Schock saß tief in den Chefetagen des Fischkombinates Rostock. Die weltweit größte Hochseefischfang-Reederei hatte 1972 gerade die Rekordmenge von 214 000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchten von den Ozeanen der Nordhalbkugel in Rostock-Marienehe angelandet, da drohte im Ergebnis der UNO-Seerechtskonvention über Nacht das Aus, Fast alle traditionellen Fanggebiete lagen jetzt in den 200 Meilen breiten Wirtschaftszonen von Küstenstaaten wie Chile, Argentinien, dann auch Island und Norwegen. Mit der Freiheit auf den Meeren und der allgemeinen Nutzung der Ressourcen war es vorbei. Doch es gab den Regierungs-Auftrag, 17 Mio. DDR-Bürger mit Fischerzeugnissen und vor allem Eiweiß zu Versorgen. Fisch-Importe für Devisen aber waren unbezahlbar, Fangquoten zunächst auch.

Nun liegt das Buch vor, das episodenreich und mit der Fachkenntnis der Insider erzählt, wie sich die Rostocker Hochseefischer damals schließlich aus der Kalamität befreiten und das Versorgungsniveau für die Bevölkerung aufrecht erhielten. Vorgelegt hat es Günther Kröger, seinerzeit Kapitän, Fang- und Betriebsdirektor im Fischkombinat. Am Beispiel des Kapitäns Horst Dieter Seffner sowie durch Befragung von Zeitzeugen und nach Studium vieler Quellen trug er ein besonderes Dokument zusammen.

Kröger berichtet speziell über die Fischereiniederlassung in Havanna (Kuba) und Maputo (Mosambik). Fischgründe wurden damit im Atlantik sogar im Nordpazifik und Indik neu erschlossen. Die Fangschiffe blieben zwei Jahre vor Ort. Neue leistungsfähigere Fang- und Verarbeitungsschiffe wurden entwickelt. Besatzungen wurden via zivilem Luftverkehr, auch mit Interflug, alle 100 Tage ausgetauscht. Durch den Verkauf der gefangenen Meeresfrüchte wie etwa Garnelen und von Fisch vor Ort (vor allem um England) nahm das Fischkombinat begehrte Devisen ein. Damit konnten Unkosten gedeckt und auch der in der DDR gewohnte Fisch gekauft werden. Unerwähnt bleibt nicht, dass es auch andere Stützpunkte des Kombinats gab, zum Beispiel Mauretanien oder Angola mit Schildmakrelen- und Kalmarfang. Ab 1976 gab es dann Fischereiabkommen mit den USA Schweden, Norwegen, Kanada auch offiziell mit Mosambik folgten 1977 dann und machten geringe Fänge wieder möglich.

Laut Krögers Buch lief keineswegs alles glatt. Die Garnelenfischerei mussten erst eingeübt werden. Das Leben im unsicheren Ostafrika war schwer. Auch in Havanna gab es angesichts der Not oder der völlig anderen Lebens- und Dienstauffassungen der Bevölkerung durchaus Probleme. Eine erstaunliche Leistung des Managements war die Regierung und natürlich die Stasi von der Notwendigkeit zu überzeugen, DDR-Bürger, Fischer, Verarbeiter und Matrosen ins "feindliche" kapitalistische Ausland zu lassen.









"In Kuba und Mosambik im Aufti Rostocker Hochseefischerei", G Kröger, Unsfisch...Verlag, 978-3-9812869-0-8, 15,00 Euro
Letztes Update: 19.12.2016, 12:21 Uhr
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